Contre le Manif Pour Tous

Manif pour tous

Der Ursprung der sog. „Demo für Alle“ wie sie an vielen Orten in Deutschland stattfindet, liegt in Frankreich. Dort demonstrieren schon mehrere Jahre strenggläubige Christen, Entwicklungsgegner und radikale Rechte zusammen gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und Abtreibungen. Zu diesem Groß-Event reisen aus ganz Frankreich große Gruppen mit Reisebussen an, um sich an der Demo zu beteiligen. So kommen jedes mal mehrere zehntausend Menschen zusammen, um ihr menschenverachtendes Gedankengut zu verbreiten.

Bei der letzten „Manif pour tous“ waren sogar Menschen aus dem Ausland angereist, um sich an dem homophoben Protest zu beteiligen. Ebenfalls beteiligte sich die rechte ‚Identitäre Bewegung‘ an den Protesten. Sie stachelten die Menge an und zünden, wie viele andere Gruppen die sich aus jungen Menschen zusammenstellen, Pyrotechnik.

Während und nach der Demo wurden immer wieder eingesetzte Polizeikräfte mit Schlägen, Tritten und Pyrotechnik attackiert. Diese reagierten mit Pfefferspray und Schlagstock.

Linke Gruppen aus Paris haben dazu aufgerufen, die Demonstration zu verhindern „mit allen Mitteln“ wie sie schreiben. Außerdem wurde dazu aufgerufen die Reisebusse, mit denen die homophoben Demonstranten zu der Demo reisen, zu blockieren.

Manif pour tous 16OCT

So der Tag ist geschafft, so wie wir auch. Um es kurz zu sagen: es war anstrengend. Wir haben eine Gruppe begleitet, die zuerst Polizeikräfte binden wollte. Nach dem das nicht so ganz funktioniert hatte, kamen die Menschen auf die Idee, die Demo der Homophoben zu stören. So versuchten wir von allen Seiten an die besagte Demo ran zu kommen um in Hör- und Sichtweite zu protestieren.

Immer wieder kamen behelmte und zivile Bullen um die Gruppe gewaltvoll von der Demo fernzuhalten. Dies gelang auch die meiste Zeit. Als wir es dann doch einmal in die Nähe geschafft hatten, wurde nach einer kurzen Eskalation wegen Provokationen der bildungsfernen Demonstranten, massiv Tränengas eingesetzt. Einige unbeteiligte Personen die sich das ganze von nahem ansehen wollten, wurden ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zur gleichen Zeit an einer anderen Stelle sollen mehrere hundert Gegendemonstranten brutal zusammengepfercht und anschließend eingekesselt worden sein. Auch dabei soll es mehrere Verletzte gegeben haben.

Was wir weiterhin erfahren haben, ist, das die französische Polizei nicht viel vom Presserecht hält. Bereits vor der Demo schikanierten sie Journalisten mit langanhaltenden Kontrollen. Auch während der Demo kam es immer wieder zu Schlägen und Tritten gegen Journalisten. Auch konnte man sich als Journalist nicht frei bewegen sondern wurde als normaler Demonstrant behandelt.

Insgesamt sollen laut den Cops 24.000 Menschen gegen die Gleichgeschlechtliche Ehe und Abtreibungen demonstriert haben. Am Gegenprotest haben sich (geschätzt) um die 500 Personen aus verschiedenen Spektren beteiligt.

Besonders bei der Abreise konnten viele Gegendemonstranten noch einmal aktiv werden, mit den homophoben Demonstranten diskutieren und die eine oder andere Fahne sowie Plakate klauen.

Am Place de la Republic gab es noch eine bürgerliche Veranstaltung, die unter dem Motto „Kiss-In“. Hier versammelten sich ca. 200 Menschen um in weiter Ferne gegen die „Manif pour tous“ zu demonstrieren. Hier wurde geredet, gelacht und getanzt.

Für uns war es jedenfalls ein interessanter Tag und ein spannender Eindruck von der Protestkultur die gar nicht so weit weg von uns ist, wie manche Menschen immer meinen. Es ist egal ob ihr von Mitteldeutschland nach Berlin oder nach Paris fahrt, zumindest von der Strecke her. Hört auf in Grenzen zu denken!

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