Brutales Vorgehen der Polizei beim TddZ 2016: Ein Erfahrungsbericht

Dortmund. Vor kurzem erhielten wir eine Nachricht, mit der Bitte diese zu veröffentlichen. In dieser Nachricht wird beschrieben wie brutal und hemmungslos die Polizei bei der Gegendemo gegen den Tddz 2016 vorgegangen ist. Im Juni hatten ca. 1000 Nazis in Dortmund zum jährlich stattfinden „Tag der deutschen Zukunft“ demonstriert. Ungefähr 6000 Menschen demonstrierten dagegen. Der nachfolgende Bericht beschreibt eine Situation die auf dem Marktplatz in Huckarde begonnen hat.

Wir möchten für diesen Beitrag eine Triggerwarnung aussprechen:

 

„Er schaute wild um sich, zückte sein Pfefferspray und sprühte mir direkt ins Gesicht. Ich schrie sofort auf und duckte mich vor Schmerzen weg. Sofort kamen sie auf mich zu gerannt. Es waren zwei. Sie sprangen auf mich und einer von ihnen rammte sein Knie in meine Seite. Er fasste mir direkt ins Gesicht und drückte mir Augen und Nase zu. Ich schrie, ich wäre friedlich und ich bekäme keine Luft. Er raunte nur „Halt die Fresse“.

Er schleifte mich hinter sich her und ich versuchte aufzustehen. Immer wieder drückte er mich herunter. Immer wieder sagte ich, ich sei friedlich und würde keinen Widerstand leisten. Es war ihm egal.

Ich bekam keine Luft und zappelte wohl wie ein Fisch.

Später habe ich auf Videos und Fotos gesehen, wie brutal sie waren. Ich hatte gar nichts gespürt. Das war wohl das Adrenalin. Nur mein Gesicht hatte vom Pfefferspray gebrannt.

Sie zogen mich hinter die Absperrung und dort stellten sie mich an einen Bus. Ich stand dort und sollte die Arme heben, damit sie mich durchsuchen konnten. Ich kam der Forderung nach. Kurz nach der Durchsuchung legten sie mir Handschellen an und fragten mich, ob ich verletzt sei und einen Arzt bräuchte. Ich verneinte und rief die Demosanis, die in meiner Nähe standen, zu mir. Einer der Sanis reinigte mir mein Gesicht mit Feuchttüchern und ich spürte, wie das Brennen etwas nachließ.

Ich schaute in den Polizeibus und sah die Personen, die vor mir festgenommen worden waren . Ich fragte sie, wie ihre Namen seien und rief diese den Menschen zu, die in meiner Nähe standen und irgendwie so aussahen, als würden sie den EA anrufen. Sie telefonierten auch.

Den Menschen im Bus sagte ich immer wieder, dass sie keine Aussage machen sollen.

Kurz darauf sah ich, wie eine relativ junge Frau schreiend von einer niedersächsischen BFE abgeführt wurde. Ich rief ihr zu, sie solle ihren Namen schreien, damit Menschen den Ermittlungsausschuss anrufen können.

Dann verschwand die Einheit mit der jungen Frau hinter mehrere Bussen.

Dann stand ich also da, in Handschellen, und machte mir das erste Mal Gedanken darüber, wieso sie mich ausgewählt hatten, was ich meiner Mutter erzählen würde und ob das hier ernsthafte Konsequenzen haben würde.

Schnell wurde dieser Gedankengang unterbrochen, als der Leiter des Berliner ‚BFZ‘ zu der Gruppe kam. Er fragte seine Kollegen, was ich gemacht hatte, sie drehten sich weg und unterhielten sich. Als das Gespräch beendet war, drehte er sich zu mir und fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich sagte, dass die Handschellen zu fest angezogen seien und das ich Schmerzen habe.

Zu den Handschellen sagte er etwas wie „Die bekommst du gleich abgenommen“. Ich sollte sie noch eine weitere Stunde tragen.

Einige Zeit später, nachdem noch einige andere Menschen – hauptsächlich mit roher Gewalt – hinter die Absperrung gezogen worden waren, schnappte der Cop, der mich festgenommen hatte, mich und brachte mich zum Gefangenentransporter. In der Zwischenzeit wurden auch die Menschen, die vorher im Polizeibus gesessen hatten, dorthin gebracht. Dort wurde eine kurze Übergabe zwischen dem Cop, der mich festgenommen hatte, und den beiden Cops, die den Gefangenentransporter betreuten, gemacht.

Meine persönlichen Gegenstände wurden übergeben und in eine Schublade im Bus eingeschlossen.

Ich musste mich in eine Einzelzelle setzten, die Türe der Zelle wurde offen gelassen. „Solange du keinen Stress machst, bleibt die Tür offen“, sagte ein Cop zu mir. In einer Sammelzelle saßen vier Personen, gefesselt. Ich erkannte die Personen, die vorher schon im Polizeibus gesessen hatten.

Die Türen des Transporters waren geöffnet und trotzdem war es stickig und so warm, dass mir der Schweiß von der Stirn lief.

Vor den geöffneten Türen standen noch sieben bis zehn andere Personen in einer Schlange, die meisten von ihnen mit Handschellen oder Kabelbindern gefesselt. Sie standen dort direkt in der Sonne.

Ein Mitgefangener hatte keine Handschellen an und konnte sich frei bewegen. Er gab den Menschen, die in der Sonne standen, zu trinken und kümmerte sich darum, dass Sanitäter zu uns kamen.

Aus der Sammelzelle wurden zwischenzeitlich immer wieder Menschen herausgeholt und neue hinein gesetzt. Ständig wurden die Schubladen mit den persönlichen Gegenständen geöffnet, geleert, befüllt und wieder verschlossen.

Ich sprach einen der Cops an, ob sie die Lüftung anmachen könnten. Der Bitte kamen sie nach.

Da ihnen irgendwann aufgefallen war, dass ich minderjährig bin und dass sie mich deshalb nicht einsperren durften, öffneten sie mir die Handschellen. Ich massierte erst einmal meine Knöchel und musste unterdrücken, das ich dem Juckreiz vom Pfefferspray, welches immer noch überall an meinem Körper brannte, nicht nachgehe.

Kurze Zeit später holte mich der schon einmal erwähnte Zugführer des „BFZ“ ab und brachte mich zur Wanne seiner Einheit. Es war eine normale, große Wanne aus Berlin.

Im Bus saß schon der Mitgefangene, der sich vor dem Gefangenentransporter frei bewegen konnte. Wir tauschten kurz unsere Namen aus und machten Späße, um unsere Stimmung ein wenig aufzuhellen.

Der Zugführer sagte immer wieder: „Nicht reden! Sonst kommt ihr in getrennte Wagen!“

Einige Minuten später erzählte er uns dann, wo sie uns hinbringen. In die GeSa, welch Überraschung. Wir fuhren mit drei Wannen im Korso mit Blaulicht über komplett gesperrte Straßen, vorbei an Räumpanzern, einem Wasserwerfer und einer Gruppe motivierter Menschen.

Bei der Einfahrt in die GeSa sahen wir, dass neben dem Tor im Schatten Menschen saßen und auf Freigelassene warteten. Ich freute mich ein wenig, dass es Menschen gab, die auch an der GeSa auf Inhaftierte warteten.

Die Einheit, die mich festgenommen hatte, verabschiedete sich von mir und meinem Mitgefangenen und wir wurden wieder an andere Cops übergeben. Sie sahen jung aus und hatten normale Uniformen an. Sie hatten an ihrer Krawatte einen komischen Button, aber an die Aufschrift kann ich mich nicht mehr erinnern.

Wir wurden in eine Art Hangar geführt, wo wir fotografiert wurden und uns bis auf die Unterwäsche ausziehen mussten, für eine Durchsuchung. Mir wurden mein Gürtel und meine Schnürsenkel abgenommen. „Die bekommst du später wieder.“ Anschließend wurden wir durch eine kleine Tür in den nächsten Hangar gebracht. Überall waren Schultische aufgestellt, auf denen Computer standen und hinter diesen Computern saßen irgendwelche Cops.

Ich wurde zu einem Tisch geführt. Vor allen Tischen standen Hamburger Gitter. Vermutlich hatten sie Angst, dass wir die Computer angreifen würden.

Links und rechts von mir standen zwei Cops. Die Polizistin hinter dem Tisch lächelte mich an und fragte mich irgendwelche Sachen und ob ich mich zu der Sache äußern wolle. Ich verneinte die Frage. Sie tippte irgendwelche Informationen, die sie von einem Klemmbrett, das bei meiner Durchsuchung angefertigt worden war , ab.

Die beiden Cops neben mir griffen nach meinen Armen und wir gingen über den Hof in eine gegenüberliegende Halle. Hier sah ich Gitter aufgestellt. Sie sahen aus wie Hundezwinger. Deshalb dachte ich auch erst, sie wären für die Polizeihunde, die heute eingesetzt wurden. Dann hörte ich Stimmen aus der Richtung und sah an einem Gitter einen Menschen. Es war die GeSa.

Ich wurde erneut zu einem Tisch geführt und die beiden Cops, die mich begleiteten, holten sich irgendwelche Infos.

Dann verabschiedete ich mich mit einem kurzen Kopfnicken von dem Menschen, den ich hinter dem Gitter gesehen hatte.

Ich fragte, wo ich hin kommen würde. „Du kommst in den Kindergarten.“ Es gab eine extra „GeSa“ für Minderjährige, da sie uns nicht hinter Gittern einsperren durften.

Ich wurde wieder über den Hof in ein hohes Gebäude gebracht.

Sie brachten mich nach ganz oben in eine Art großen Konferenzraum. An der Decke hing ein Beamer, es standen viele Stühle im Raum.

Als ich herein kam, sah ich direkt rechts neben der Tür einen Tisch, auf dem viel Wasser stand. Neben dem Tisch war ein Stuhlkreis. Dort saßen Menschen. Es waren keine Gefangene. Der Cop, der mich begleitet hatte, erklärte mir, dass diese Menschen vom Jugendamt seien.

Rechts neben der Tür stand auch ein Tisch, darauf zwei Computer, hinter denen wieder Beamte saßen. Ich sollte mich wieder vor den Tisch stellen. Der Cop hinter der Computer fragte mich irgendwelche Sachen. Telefonnummer von meinen Eltern und sowas.

Meine persönlichen Gegenstände, welche seit der Durchsuchung in einer großen Papiertüte waren, wurden an die Cops in zivil übergeben. Es waren ungefähr 10 Cops in zivil da, die uns betreuten.

Weiter hinten im Raum standen mehrere Tische, auf jedem Tisch ein Telefon.

Später wurden darüber unsere Eltern angerufen.

Ich durfte mich auf einen der Stühle setzen. Neben mir saß mein Mitgefangener, mit dem ich in die GeSa gefahren worden war .

Immer wenn wir auf die Toilette mussten, wurden wir von zwei Beamten begleitet. In die Toiletten-Kabine durften wir alleine.

Im Endeffekt saß ich bis 23 Uhr abends da, bis sie mich nach Hause ließen.

Als ich aus dem Polizeipräsidium kam, wurde ich von einer Gruppe solidarischer Menschen begrüßt, gefragt ob ich etwas Essen oder trinken wolle.“

 

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